"I am a country boy!" - "Sir" Oliver Mally zu Gast im Interview

Am 25. Juli feiert "Sir" Oliver Mally sein 40-jähriges Bühnenjubiläum im Römerdorf Wagna. Während den Vorbereitungen auf sein Heimspiel hat sich der Wagnarianer Zeit für ein Interview genommen und aus dem Nähkästchen geplaudert.

Zum Start drehen wir den Spieß um: Welche Interview-Frage wird dir immer gestellt und kannst du nicht mehr hören?

"Sir" Oliver Mally: „Wie kommt man als Steirer zum Blues?“, ist eine davon. 

 

Wie haben dich „40 Years on the Road“ als Mensch geprägt? Was hast du auf deinem Weg über das Leben und deine Mitmenschen gelernt?

Wieviel Platz haben wir? Haha...
So üppig unterwegs zu sein schärft die Sinne. Ich bin ja sehr viel alleine getourt. Über 5500 Konzerte waren das. Da lernst du „wach“ und „wachsam“ zu bleiben. Ich durfte viel erleben und dabei viel lernen. Mit Idolen musizieren. Und das geht ja nach wie vor so weiter. 
Und es half mir zu erkennen, wer bleiben soll und wer gehen darf. 

 

Du hast unzählige Konzerte gespielt – gibt es einen Auftritt, der dir nie wieder aus dem Kopf geht, im Guten oder im Schlechten?

Ich hab’s tatsächlich geschafft, mir immer etwas Positives aus jedem Konzert mit nach Hause zu nehmen. Egal, wie windig die Veranstaltung vor Ort ausgesehen hat. Es scheint so, als hätte ich bei Optimist lebenslang angekreuzt. Und ich denke, das hat mir geholfen, in dem Geschäft so lange, voller Freude und Elan zu überleben.

 

Jeder hat Momente, in denen er denkt, dass die Luft draußen ist – wie zieht man sich selbst aus dem Sumpf?

In dem man sich das „MÜSSEN“ abgewöhnt. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, dass der Motor in erschöpften Lebenslagen dann doch immer wieder anspringt. Das ist bei mir ein gut trainierter Muskel. Den man allerdings nicht zu sehr überanstrengen sollte. Disziplin heißt ja auch zu wissen, wann man den Fuß vom Gaspedal nimmt. In der Theorie einfach gesagt. Ist mir selbst leider nicht immer gelungen. Hier gleich mal ein Dankeschön an die Ärzte, die mich erst unlängst wieder zusammengesetzt haben. Und natürlich an die mir vertrauten Menschen, die mir eine immense Stütze waren, in solchen Zeiten. 

 

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen als Musiker – Lampenfieber, Tourstress, das Musikbusiness an sich? Oder etwas ganz anderes? Wie hat sich das in all den Jahren verändert? 

Die von dir genannten Beispiele sind ohnehin unumgängliche Komponenten in dem Geschäft.
Ganz wichtig aber ist, sich niemals kaufen, sondern immer nur buchen zu lassen! Das macht am Ende eines Musikerlebens einen gravierenden Unterschied aus. 
Das Business hat sich massiv verändert. Es ist mehr zu einem Geschäft geworden, als das jemals zuvor der Fall war. Es geht um Zahlen und Content und weniger um Inhalte. Das Thema ist aber tatsächlich zu komplex, um es hier angemessen zu beantworten. 

 

Bei all den Kilometern, die man auf sich nehmen muss, wenn man im südsteirischen Grenzgebiet wohnt und international Konzerte spielt, die meistens mit dem Auto angefahren werden, fragt man sich: Wie wichtig kann einem ein „Rückzugsort“ in Wagna denn eigentlich sein, um sich diese Strapazen anzutun und nicht in eine näherliegende Stadt abzuwandern?

I am a country boy! Punkt. In Städten gehe ich leicht mal verloren. Hier zuhause tue ich das zwar auch. Aber finde mich selbst leichter wieder.

 

Hast du ein Konzert-Ritual – etwas, das du immer vor dem Auftritt machst?

Ich versuche ca. 40 Minuten vor dem Auftritt in meine „Zone“ zu kommen. Bin in dieser Zeit recht gerne alleine oder tummle mich mit meinen musikalischen Partnern und Freunden hinter der Bühne. Nix Besonderes. Kein Yoga oder sonst was. 

 

Welche Künstler:innen oder Persönlichkeiten haben dich tief geprägt – vielleicht auch abseits des Blues?

Es gibt sehr viele Persönlichkeiten, die mich auf jedwede Art und Weise inspiriert haben. Bob Dylan, Ry Cooder. Muddy Waters, Ingeborg Bachmann, Toni Morrison, H.C. Artmann, William Turner, Calvin&Hobbes, … etc. Geprägt haben mich aber zumeist Menschen aus meinem Umfeld und mit denen ich stets zu tun hatte und dankenswerterweise noch zu tun habe. Allen voran meine Eltern! 

 

Wenn du kein Musiker geworden wärst – was wärst du dann heute?

Da es etwas Musisches geworden wäre, wahrscheinlich ein wenig erfolgreicher Schriftsteller. :-)

 

Wir sind umgeben von Besserwissern und selten traut sich jemand, Verantwortung zu übernehmen. Was würde Bundeskanzler, Kulturminister oder Bürgermeister Oliver Mally umsetzen?

Ich würde keinen Meter in deren Position zurücklegen wollen. Ein undankbarer Job. Viele gute Intentionen, die einzelne dieser Menschen vielleicht ja haben, gehen dort sicher immer wieder mal im Namen einer Agenda unter. Ja, da draußen gibt es viele Besserwisser. Ich nenn diese Leute Distanztheoretiker. Aus der Ferne gescheit sein ist einfach. Es selbst besser zu machen hingegen, eine völlig andere Geschichte.

 

Welchen Ratschlag kannst du Jungmusikern mitgeben, die sich auf eine ähnliche Lebensreise begeben wollen? 

Ein Tipp, den der amerikanische Bluesmusiker mir gegeben hat und den er selbst auch von Ernie Banks bekommen hat: „Spiel niemals eine Note, an die du nicht glaubst!“ Übersetzt bedeutet das: Bleib bei dir und bleib dir treu! 
Ich habe niemals Jobs angenommen, nur um Geld zu verdienen. Wenn es mir kein Bedürfnis war, ein Konzert zu spielen, habe ich es einfach nicht gemacht. Geld ist schon wichtig. Aber darf nicht zum wichtigsten Anreiz werden und über allem stehen.

 

Am 25. Juli stehst du ja nicht alleine auf der Bühne. Wie kam die Konstellation zustande, was verbindet dich mit deinen Kollegen zu diesem besonderen Jubiläum und worauf dürfen sich die Konzertgäste freuen?

Aus Freundschaft und gleichzeitig einer jahrelang anhaltenden musikalischen Zusammenarbeit. Weil auch das hervorragend passt. Ich könnte ja so wie wir es tun nicht musizieren, wenn es keine tiefere menschliche Beziehung zu diesen Menschen gäbe. 
Und aus dieser Freundschaft heraus und dem daraus resultierenden Vertrauen zueinander, ergibt sich die Magie unserer Musik. Wir lassen uns auf einander ein und sind risikofreudiger. Weil wir eine Band sind und nicht bloß ein Projekt. Daher habe ich es immer vermieden, mit „Ersatzmusikern“ zu spielen. In dieser Band kannst du zwar auch jeden austauschen, aber du kannst nicht jeden ersetzen. Ich liebe diesen Haufen Verrückter! 

 


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